Die emotionale Entwicklung gilt in Wissenschaft und Praxis längst als wichtige Perspektive für das Verstehen und Begleiten von Menschen mit intellektueller Beeinträchtigung. Zunehmend werden Aspekte der emotionalen Entwicklung und aktuelle Erkenntnisse gezielter einbezogen und systematisch in die Begleitung integriert – so, wie es auch die ICD-11 mit einer entwicklungssensiblen Diagnostik und entwicklungslogischen Unterstützung vorsieht. Dabei zeichnen sich aktuell unterschiedliche Zugänge ab, die jeweils eigene Potenziale und Nutzen, aber auch Risiken und Einschränkungen aufweisen.
Zudem stehen bereits spezifische Instrumente zur Erfassung des emotionalen Entwicklungsstands bei Menschen mit intellektueller Beeinträchtigung zur Verfügung, darunter die SEO (Schaal voor Emotionele Ontwikkeling) und deren Weiterentwicklung SEED-2 (Skala der emotionalen Entwicklung – Diagnostik 2). Emotionale Entwicklung ist damit ein aktuelles und für die Praxis höchst relevantes Thema, dem wir uns in der Online-Fachtagung gezielt zuwenden möchten.
Die vier Fachvorträge unserer Tagung beleuchten deshalb die emotionale Entwicklung bei Menschen mit intellektueller Beeinträchtigung aus unterschiedlichen Perspektiven und nehmen dabei Kinder, Jugendliche und Erwachsene in den Blick:
• Dr. Brian Fergus Barrett zieht auf Basis von 20 Jahren Erfahrung mit dem emotionalen Entwicklungsansatz nach Prof. Došen eine Bilanz zu Entwicklungen, Nutzen und Risiken.
• Prof. Dr. Klaus Hennicke widmet sich der Wahrnehmung und dem Verstehen emotionaler Äußerungsformen bei Kindern und Jugendlichen.
• Dr. Barbara Senckel zeigt anhand des Beispiels von Rita Richter, wie die Prinzipien der Entwicklungsfreundlichen Beziehung wirken.
• Dr. André Schindler stellt das subjektive Wohlbefinden und dessen Zusammenhang mit der emotionalen Entwicklung in den Mittelpunkt.
Darüber hinaus zeigen drei Kurzpräsentationen, wie emotionale Entwicklung in unterschiedlichen Praxisfeldern berücksichtigt werden kann: beim Einsatz von SEED-2 im schulischen Kontext, in der Bildungsplanung und durch eine entwicklungssensible Perspektive in der Konsulentenarbeit.
Die Tagung möchte das Verständnis für die emotionale Entwicklung von Menschen mit intellektueller Beeinträchtigung vertiefen und zudem einem kritisch-fachlichen Austausch darüber Raum geben.